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Solo für den Teufel I Plakat

Premiere

Solo für den Teufel

von Kurt Raster


4. Mai 2007
Theater im L.E.D.E.R.E.R. Regensburg



Besetzung

Teufel Martina Reitz
Regie Kurt Raster

Presseinfo

"Solo für den Teufel"

Amüsant-philosophisches Ein-Mensch-Stück von Kurt Raster

Gibt es einen Teufel? Natürlich!, sagen die Kirchen. Das müssen sie sagen. Ohne Teufel verlören sie sozusagen ihre Geschäftsgrundlage: der Kampf gegen das ewig Böse. Dieser beginnt schon mit der Taufe: In feinster Inquisitionslyrik heißt es dazu in Ratzingers Katechismus: "Weil die Taufe Zeichen der Befreiung von der Sünde und deren Anstifter, dem Teufel, ist, spricht man über den Täufling einen Exorcismus (oder mehrere)." Die Taufe ist ein Exorcismus?! Aber im Ernst: Gibt es wirklich einen Teufel?

Das ueTheater geht in seinem neuen Stück "Solo für den Teufel" dieser Frage auf den höllischen Grund. Satan, in Fleisch und Blut dargestellt von Martina Reitz, führt die Zuschauer genüßlich durch die Tiefen und Untiefen der theologischen Gedankengebäude. Warum bestraft Beelzebub Sünder, statt sie zu belohnen? Wer erschuf die böse Schlupfwespe? Was hat Gott gegen Analverkehr? Satan oder Gott: Wer war zuerst da? Was hat der arme Feigenbaum dem Erlöser getan, daß dieser ihn verfluchte? Schließlich: Warum wurde das große Erlösungsspektakel überhaupt inszeniert?

Der Zuschauer wird auf charmante Weise in heilvolle Verwirrung geführt. Er könnte und sollte in Versuchung kommen zu fragen: Ist der Teufel wirklich böse, feige und dumm? Oder anders gefragt: Ist Gott wirklich gut und barmherzig? Allmächtig und allwissend? Gerecht und gütig? Wenn man sich ansieht, was dessen Anhänger über die Jahrhunderte verbrochen haben, muß man hierüber schon ins Grübeln kommen. Oder gibt es die beiden am Ende gar nicht?


Kritik

Mittelbayerische Zeitung, 3. Juli 2007

Warum sollte Luzifer die Sünder piesacken?

Ganz schön heißer Stoff: „Solo für den Teufel“ mit Martina Reitz als diabolische Mephista. Von Harald Kuchler

Regensburg. Was sagt man ihm nicht alles nach: Er soll den Schnaps gemacht haben und in der Not auch Fliegen fressen. Vor allem aber soll er die Sünder piesacken, die Gotteslästerer und vom Glauben Abgefallenen, die Kirchenschwänzer und lasterhaften Buhler, mit glühenden Zangen soll er sie zwicken und ihnen ewige Pein bereiten in der Flammenhölle. Eine garstige Rolle ist das, die Luzifer, dem gefallenen Engel, da zugewiesen worden ist. Und irgendwie nicht ganz folgerichtig. Denn, so fragt der Teufel mit einigem Recht: „Warum soll ich Gotteslästerer stechen? Ich bin der Teufel. Gottes Beleidigung ist mein Handwerk. Die Kirche ist mein Feind. Warum soll ich die Bösen foltern?“

Der Teufel ist natürlich eine Frau, und mit ganz unchristlicher Lust an der Logik zieht Martina Reitz vom „ueTheater“ im Keller des L.E.D.E.R.E.R. vom Leder. Eine einstündige Tour de force ist das, eine angriffige, wortgewaltige Verteidigungsrede des Unglaubens, ein Teufelsritt durch Altes und Neues Testament, Apokryphen und Uta Ranke-Heinemann, Katechismus und Karl-Heinz Deschner.

Kostümmäßig kommt man dabei mit zwei angeklebten Hörnern und etwas Schminke aus und auch der Requisiten bedarf es kaum. Denn Kurt Rasters Text, der genüsslich aus den Absurditäten und Schrecknissen angeblich heiliger Schriften schöpft, bietet genügend Knalleffekte, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Da gibt es die lange Tirade, aber auch das intime Zwiegespräch zwischen Gott und einem Kind, da liegen Ironie und Drastik, Zynismus und humanistisches Pathos eng beieinander. Und immer wieder, wie bei Karl Kraus, das entlarvende Zitat als schärfste Waffe.

Der Teufel wehrt sich also entschieden, er lässt sich das Böse nicht in die Schuhe schieben. Die Rede vom guten und gütigen Gott? Die Schriften zeichnen ein anderes Bild. Gott frisst die Völker, die ihm Feind sind, er ist nachtragend und rachsüchtig. Er verfolgt die Schuld der Väter noch an den Söhnen. Blutfehde, Sippenhaftung, Erbsünde... Religion entpuppt sich als Drohung und Gewalt, Glaube als Erpressung.

Sympathische Schluss-Pointe

Ob das als starker antichristlicher Tobak empfunden wird oder als längst wieder fällige Wortmeldung des aufgeklärten Bewusstseins, hängt vom Standpunkt ab: Braucht er den Trost der Ewigkeit, oder kommt er auch mit seinem kleinen Erdendasein zurecht? Auf jeden Fall ist dieses „Solo für den Teufel“ ein starkes Antidot gegen Papst-Hype und viel beschworene „Wiederkehr des Religiösen“.

Und während Gott sich absolut setzt, hat der Teufel noch eine sympathische Schluss-Pointe parat: Er existiere ja gar nicht, sei nur das Produkt aus Angst und Unwissen. Doch ist dem Kerl wirklich zu trauen? Schon Charles Baudelaire wusste: „Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.“


Dokumentation

Warum ein Stück über den Teufel?

"Wer glaubt denn heute noch ernsthaft an den Teufel? Mag ja sein, daß dieser Bestandteil der offiziellen Lehre der christlichen Religionen (und anderer) ist, aber doch nur die wenigsten nehmen den Glauben so wörtlich, wie es der katholische Katechismus vorschreibt. Inzwischen ist der Glaube doch nur noch ein psychisches Hilfsmittel. Man bedient sich der verschiedensten Religionen, wie es einem gefällt."

Ist das wirklich so? Ist der Glaube an Satan und seine Anhänger aus der Welt geschafft? Ist die Angst vor Hölle und Verdammnis Schnee von gestern? Sind wir frei im Denken? Ich bin nicht dieser Meinung. Sicher, auch unter den begeistertsten Benedetto-Fans wird es kaum einen geben, der ernsthaft der Meinung ist, ungetaufte Kinder kommen in die Hölle. Aber die Substanz des Teufelsglaubens ist erhalten geblieben: Der Mensch sei böse. Und nur durch ein Regiment von Vorschriften und moralischen Geboten könne er mühsam in Zaum gehalten werden. Dies ist die moderne Form des Teufelsglaubens, gegen den auch gestandene Atheisten oder Kommunisten nicht gefeit sind.

Die Menschen haben aber paradoxerweise eine bessere Meinung von sich, als ihnen bewußt ist. Wir sagen, das ist unmenschlich, und meinen damit, etwas verstößt gegen die dem Menschen eigene Ethik. Dies beweist: Wir Menschen haben eine genaue Vorstellung von sozialem Verhalten und verurteilen unmenschliche Handlungen auf das Schärfste. Oder anders gesagt: Der Mensch ist gut - wenn man ihn läßt. Daran möchte ich mit diesem Stück erinnern.


Dokumentation der im Stück verwendeten Zitate

"Und bei denen, die hier waren, andere Männer und Weiber, die kauen ihre Zunge, und man quält sie mit glühendem Eisen und verbrennt ihre Augen. Das sind die Lästerer und Zweifler an meiner Gerechtigkeit." (Vorgrimler S. 80)

Das Zitat stammt aus der Petrus-Apokalypse, ein apokrypher Text, der aber dennoch die Höllenvorstellungen des christlichen Glaubens entscheidend inspirierte. Seitdem gilt das Prinzip, der Körperteil, mit dem der Sünder im Diesseits den Zorn Gottes erregte, wird im Jenseits mit besonderer Grausamkeit bedacht.


"Als der Engel also voranschritt, sahen sie eine Bestie, die allen Bestien, die sie vorher gesehen hatten, ganz unähnlich war, zwei Füße und zwei Flügel hatte, auch einen sehr langen Hals und eisernen Schnabel. Sie hatte auch eiserne Krallen, und durch ihr Maul ergoß sich eine unauslöschliche Flamme. Diese Bestie saß über einem Sumpf aus gefrorenem Eis. Die Bestie verschlang aber alle Seelen, die sie nur immer finden konnte, und nachdem sie in ihrem Bauch durch Martern zu nichts gemacht worden waren, gebar sie sie in den Sumpf aus gefrorenem Eis, und dort wurden sie wiederum zur Qual erneuert. Es wurden aber alle Seelen, die in den Sumpf hinabstürzten, schwanger, sowohl die Männer als auch die Frauen, und so erwarteten sie schwanger die Zeit, daß sie zur Geburt kommen sollten. Innen aber wurden sie in den Eingeweiden nach Schlangenart von der empfangenen Nachkommenschaft gebissen, und so vegetierten sie armselig in der stinkenden Woge des durch das feste Eis toten Meeres dahin. Und als es Zeit war, daß sie gebären sollten, erfüllten sie schreiend die Hölle mit Geheul und gebaren auf diese Weise Schlangen. Es gebaren, sage ich, nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, nicht nur durch diese Glieder, die die Natur als für diesen Vorgang passend angelegt hat, sondern auch zugleich durch die Arme und durch die Brust; und sie kamen, durch alle Glieder hervorbrechend, ins Freie." (Vorgrimler S. 165)

Dies ist ein kleiner Appetithappen aus der berühmtesten mittelalterlichen Jenseitsbeschreibung, der Visio Tundali. Ein irischer Mönch schrieb sie 1149 im Regensburger Schottenkloster nieder. Ritter Tundal soll nach einem wohl etwas zu reichlichen Essen in eine dreitägige Ekstase gefallen sein, während der ihn die schrecklichsten Traumgesichte drückten. Danach war er nicht mehr wie vorher, wenn wundert's?


"O, wie werde ich jubeln, wie werde ich lachen, wie werde ich entzückt sein, wenn ich so viele vergötterte Kaiser mit ihrem Jupiter in der tiefsten Finsternis klagen hören werde, wenn ich die Philosophen mit ihren Schülern brennen, die Schauspieler im Feuer herumtanzen, die Wagenführer mit feurigen Rädern fahren sehen werde!" (Vorgrimler S. 92)

Der Kirchenschriftsteller Tertullian, von dem dieses Zitat stammt, machte sich über viele, glaubenskonstituierende Dinge Gedanken. So war er einer der ersten, der die fleischliche Auferstehung der Toten predigte, weil "die Seele allein ohne eine feste Materie nichts erleiden kann". Auch stammt von ihm der schöne Satz: "Ich glaube, weil es absurd ist", womit er ausdrücken wollte, die Auferstehung Christi sei so irrational, daß sie nur wahr sein könne, weil kein Mensch derartig Abwegiges erfinden könne.


"Die Gerechten werden beim Anblick der Qualen der Verdammten nicht Schmerz empfinden, selbst wenn es sich um nächste Angehörige handelt. Sie werden sich sogar freuen, wenn sie die Rache für die Sünden sehen. Die Gerechten werden für die Verdammten auch nicht beten; denn sie sind mit Gott so innig verbunden, daß sie die Urteile Gottes in allem billigen und sich über sie freuen." (Vorgrimler S. 196)

Und schon wieder begegnet uns ein irischer Mönch, der in Regensburg seine heftigsten geistigen Ergüsse hatte: Honorius Augustodunensis. Seine Erkenntnisse hatten großen Einfluß auf das Hochmittelalter. Aber er scheint auch lichte Momente gehabt zu haben, z.B. fand er die Vorstellung, es gebe körperliche Aufenthaltsräume für unkörperliche Seelen, für den Gipfel des Widersinns.


"Ich kann mich nicht dazu überreden, daß ein gütiger und allmächtiger Gott mit Absicht die Ichneumonidae erschaffen haben würde mit dem ausdrücklichen Auftrag, sich im Körper lebender Raupen zu ernähren." (Darwin S. 148)

Darwin schrieb dies 1860 in einem Brief an seinen Freund Asa Gray, einem bekannten amerikanischen Botaniker. Er bekennt darin: "Ich bin verunsichert: Ich hatte nicht die Absicht, atheistisch zu schreiben. Aber ich gebe zu, daß ich nicht so deutlich, wie es andere sehen und wie ich es selbst gerne sehen würde, rings um uns her Beweise für Zweckbestimmung und Güte zu erkennen vermag." Für Glauben hatte Darwin eindeutig zuviel Wissen.


"Weil die Taufe Zeichen der Befreiung von der Sünde und deren Anstifter, dem Teufel, ist, spricht man über den Täufling einen Exorcismus (oder mehrere). Der Zelebrant salbt den Täufling mit dem Katechumenenöl oder legt ihm die Hand auf; danach widersagt der Täufling ausdrücklich dem Satan." (Katechismus Nr. 1237)

Wahrscheinlich nicht nur für Nichtchristen neu: Die Taufe ist ein waschechter Exorcismus (oder mehrere). Allen Toleranzformeln der Kirche zum Trotz: Ungetaufte zählen zu Satans Reich und landen früher oder später in der Hölle. Dabei ist es ziemlich wurscht, ob es sich um Massenmörder oder unschuldige Kinder handelt, denn für die Kirche sind Kinder keineswegs unschuldig. Weil sie nicht getauft, gelten sogar Föten als vom Teufel besessen. Der Pariser Theologieprofessor Johannes Beleth, gestorben um 1165, verbot, eine während der Schwangerschaft gestorbene Frau in geweihter Friedhofserde zu begraben, bevor nicht das ungetaufte Kind aus ihrem Leichnam herausgeschnitten sei (Ranke-Heinemann Eunuchen S. 476). Wenn also kirchliche Würdenträger Abtreibung als Holocaust an unschuldigen Kindern bezeichnen (Kardinal Meisner, Erzbischof Dyba, Johannes Paul II, etc.), outen sie sich als schlechte Kenner ihrer Religion.


"Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen. Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück. Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen. Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit. Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt! Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war. Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten." (Exodus 3, 1-24)

Hat der Teufel gelogen? Nein. Wie Gott selber zugibt, wurden Adam und Eva durch den Genuß der verbotenen Früchte zu Göttern ("Seht, der Mensch ist geworden wie wir"). Auch starben sie nicht. Hier könnte der findige Theologe einwenden, natürlich starben sie, wenn auch nicht sofort. Die Folge des Diebstahls sei der Verlust der Unsterblichkeit. Nur waren Adam und Eva zum betreffenden Zeitpunkt noch nicht unsterblich, denn Gott sagt selbst: "Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!" Man kann es drehen und wenden wie man will, Gott erscheint in denkbar schlechtem Licht. Es geht ihm lediglich um die egoistische Bewahrung seiner Vormachtstellung. Diese versucht er ausgerechnet mit leeren Drohungen zu erhalten, statt einfach einen billigen Baumarktzaun um seinen Lieblingsbaum zu ziehen. Und an so einen Typen glaubt die halbe Menschheit! Es ist zum atheistisch werden...


"Wir halten daran fest, daß die Erbsünde zusammen mit der menschlichen Natur durch Fortpflanzung übertragen wird und nicht etwa bloß durch Nachahmung, und daß sie jedem Menschen als ihm eigen innewohnt" (Katechismus Nr. 419)

Noch mal zum Mitschreiben: Weil Eva und danach Adam von der Erkenntnis naschten, bestrafte Gott - laut Lehre der christlichen Kirchen - die beiden mit der Todesstrafe. Und nicht nur sie, sondern auch alle ihre Nachkommen. Die Glaubensgrundlage dafür bildet eine Stelle aus dem Römerbrief: "Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten" (Röm 5, 12). Der Übertragungsweg ist der Geschlechtsverkehr. Gegen die christliche Erbsünde ist Aids eine harmlose Grippe, wenn man die Kirche beim Wort nimmt.


"Es ist besser, wenn eine Frau mit ihrem eigenen Vater auf natürliche Weise Verkehr hat als mit ihrem eigenen Ehemann wider die Natur" (Ranke-Heinemann, Eunuchen S. 307)

Der Volksprediger Bernhardin von Siena, gestorben 1444, war sich sicher: "Von tausend Ehen sind neunhundertneunundneunzig meiner Meinung nach des Teufels," weil Praktiken zur Anwendung kämen, die nur dem Spaß und nicht der Zeugung dienten. Das Schlimme dabei: Viele wissen gar nicht, daß sie sündigen: "Die Eheleute sind in erbärmlicher Unwissenheit versunken wie ein Schwein in seinem Trog voll Dreck." So sah er sich in seinen Predigten zu drastischen Vergleichen gezwungen, um wenigstens einige seiner Schäfchen vor der Verdammnis zu bewahren.


"Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen." (Römer 13, 1-2)

Wer vielleicht noch irgendwelche Zweifel daran hat, welchem Zweck Religion dient, ist nun hoffentlich aufgeklärt.


"Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüber weht." (Jesaya 40, 7)

Als ich dieses Zitat auf einem schwer religiösen Flugblatt in der Unimensa entdeckte, war meine Freude groß. Allerdings wollte keiner meiner Tischnachbarn meine Lustigkeit teilen. Vielleicht wußten sie, wie das Zitat weitergeht: "Wahrhaftig, Gras ist das Volk."


"Wenn wir noch einmal die donnernde Stimme des Herrn, unseres Gottes, hören, werden wir sterben." (Deuteronomium 5, 25)

Vermutlich war die Stimme Gottes nichts anderes, als das Grollen eines Vulkans. Andere Theorien halten Jahwe ursprünglich für einen polytheistischen Wettergott, dem - Blasphemie! Blasphemie! - eine Frau beigesellt war. Diese mutierte im Laufe der Zeit zum Heiligen Geist. Arte widmete vor einiger Zeit eine vierteilige Dokumentation der Historie Gottes. Nach Auswertung neuerer archäologischer Funde muß man wohl davon ausgehen, daß das Alte Testament überwiegend erfunden ist. Der Auszug aus Ägypten, der Empfang der 10 Gebote, der Posaunenangriff Jerichos - alles reine Staatspropaganda. König Josias, 7 Jahrhundert v.d.Z., versuchte mit besagten Geschichten und der Installierung eines einzigen Gottes den Zusammenhalt der Bevölkerung zu stärken und seine Expansionspläne zu legitimieren. Alle Städte, die im Alten Testament genannt werden, waren justamente selbige, die Josias seinem Reich einzuverleiben gedachte. Da war es praktisch, diese als die Gabe eines Gottes darzustellen. Daraus wurde allerdings nichts, im Gegenteil: Die Babylonische Gefangenschaft machte allen Eroberungsphantasien ein Ende. Welch herrlicher Witz, wenn es sich tatsächlich herausstellen sollte, alle drei großen monotheistischen Religionen fußen lediglich auf einen (fehlgeschlagenen) politischen Winkelzug eines allzu ehrgeizigen Herrschers.


"Er hat Hörner wie ein Wildstier. Er frißt die Völker, die ihm Feind sind, er zermalmt ihre Knochen und zerbricht ihre Pfeile. Er duckt sich, liegt da wie ein Löwe, wie ein Raubtier. Wer wagt es, ihn aufzujagen?" (Numeri 24, 8)

Bibelstellen wie diese mögen den Katharern den Gedanken eingegeben haben, der Gott der Bibel sei in Wirklichkeit der Teufel. Logische Konsequenz: Alle christlichen Würdenträger sind Werkzeuge des Teufels. Das war ein bißchen beleidigend für die offizielle Amtskirche, aber für sich nicht weiter schlimm. Ärgerlich war schon eher die weitere Folgerung daraus: Wenn die Erde das Reich des Teufels ist, so leben die Menschen bereits in der Hölle, ergo müssen sie keine Angst mehr vor künftigen Höllenstrafen haben. Das ganze Strafarsenal der katholischen Kirche griff nicht mehr, und das Undenkbare traf ein: Die Menschen verweigerten den Zehnten. Das ging zu weit! Inquisition und weltliche Macht schürten für die Katharer das wirkliche Höllenfeuer.


"Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott" (Exodus 20, 5)

Eifersucht und Toleranz sind zwei sich ausschließende Charaktereigenschaften. Natürlich darf ein Monotheismus keine anderen Götter dulden, denn dann wäre er kein Monotheismus mehr. Monotheismus führt also automatisch zu Intoleranz. Ein-Gott-Religionen stehen daher im Widerspruch zu einer modernen, toleranten Gesellschaft.


"Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten Generation" (Deuteronomium 5, 9)

Ist es notwendig darauf hinzuweisen, daß dies die Sprache von Terroristen ist? Von Unmenschen, von Fanatikern, von Verbrechen wider die Menschheit? Mir ist nicht bekannt, daß sich Religionsgemeinschaften, die sich auf die Bibel berufen, je von Sätzen wie dem zitierten distanziert hätten. Im Gegenteil. Die Bibel gilt nach wie vor als die über alle Kritik erhabene, alleingültige, hochmoralische Handlungsanweisung, die allen Menschen Richtschnur sein sollte. Wo dies aber hinführt, zeigen die Millionen von Toten, die der christliche Fanatismus direkt verschuldet hat. Die indirekten Opfer, zu denen heute beispielsweise die dem Kondomverbot der Kirche zum Opfer gefallenen Aidskranken zu rechnen sind, hat noch keiner gezählt.


"Wenn der Herr, dein Gott, sie [eine Stadt, K.R.] in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles, was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern lässt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren; denn der Herr, dein Gott, hat es dir geschenkt." (Deuteronomium 20, 13-14)

"Samaria verfällt seiner Strafe, weil es sich empört hat gegen seinen Gott. Seine Bewohner fallen unter dem Schwert, ihre Kinder werden zerschmettert, die schwangeren Frauen werden aufgeschlitzt." (Hosea 14, 1)

"Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoriter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat." (Deuteronomium 20, 16-17)

Die Beispiele ließen sich beinahe beliebig fortführen. Es mag vielleicht beruhigen, daß die angeführten Begebenheiten wahrscheinlich nie stattgefunden haben, sondern nur die Propagandaerfindung eines größenwahnsinnigen Herrschers sind (siehe oben). Trotzdem ist es einfach unglaublich, daß Menschen sich auf die Bibel berufen und behaupten: Gott sei die Liebe. Dies zeugt entweder von vollkommener Unkenntnis oder Blindheit. Ich bin mir sicher, es wäre das Verheerenste, was den biblischen Religionen passieren könnte, wenn ihre Anhänger ihr eigenes Buch einmal komplett und objektiv lesen würden.


"Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh. Der Herr sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben." (Genesis 6, 5-7)

Was würden wir von einem Mechaniker halten, der ein Auto zusammenschraubt, und dann, weil es nicht zu seiner Zufriedenheit fährt, dem Auto die Schuld gibt? Würden wir nicht sagen: Hey Mechaniker, hast du noch alle Tassen im Schrank? Wenn das Auto schlecht ist, dann bist du halt ein verdammt schlechter Mechaniker! Und jetzt laß das Auto in Ruh!


"Die Schrift und die Überlieferung lehren und preisen stets die Grundwahrheit: "Die Welt ist zur Ehre Gottes geschaffen" (1. Vatikanisches Konzil)". Wie der hl. Bonaventura erklärt, hat Gott alles erschaffen "nicht um seine Herrlichkeit zu mehren, sondern um seine Herrlichkeit zu bekunden und mitzuteilen." (Katechismus Nr. 293)

Welch auffälliger Widerspruch zum vorherigen Zitat. Gott selber war ganz im Gegenteil der Ansicht, die Welt sei so scheiße, daß sie auf der Stelle vernichtet werden müsse. Welches ist nun die richtige Grundwahrheit?


"Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger. Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es. (...) Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war. Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Jesus sagte zu ihnen: Ihr müsst Glauben an Gott haben. Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen. Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil." (Markus 11, 12-14, 20-26)

"Als er am Morgen in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. Da sah er am Weg einen Feigenbaum und ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter daran. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle. Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt: Wie konnte der Feigenbaum so plötzlich verdorren? Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt." (Matthäus 21, 18-22)

Zweimal dieselbe Geschichte, nur verschweigt uns der spätere Matthäus, daß Jesus Feigen außerhalb der Erntezeit zu ernten gedachte. Dafür dramatisiert der Evangelist das Wunder: Statt am nächsten Tag verdorrt der arme Baum auf der Stelle. Aber das nur nebenbei. Wichtiger ist vielmehr, was erfahren wir über den Erlöser Jesus Christus? 1. Jesu Kenntnisse über die Biologie sind für einen erwachsenen Mann bemerkenswert dürftig. 2. Jesus war ein begnadeter Choleriker. 3. Jesus verstand es überaus geschickt, sich aus der Affäre zu ziehen. Nur gut, daß kein Jünger auf die Idee kam zu fragen, warum der Glaube zwar Berge versetzen könne, aber an ein paar Feigen scheitere.


"Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Mann, du unreiner Geist! Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. Und er flehte Jesus an, sie nicht aus dieser Gegend zu verbannen. Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Lass uns doch in die Schweine hineinfahren! Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken. Die Hirten flohen und erzählten alles in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. Da fürchteten sie sich. Die, die alles gesehen hatten, berichteten ihnen, was mit dem Besessenen und mit den Schweinen geschehen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen." (Markus 5, 1-17)

Jesu Haupttätigkeit war der Exorcismus. Überall sah er Teufel und Dämonen am Werk. Insgesamt 52 mal ist in den Evangelien von Dämonen die Rede. Nahezu auf jeder Seite wird von Besessenheit berichtet oder darauf angespielt. Man kann im Grunde sagen: Jesus ist der wahre Erfinder des Teufels, denn im Alten Testament gab es ihn noch nicht. Der Begriff "Dämon" taucht dort lediglich 3 mal auf, die Schlange war noch die Schlange und der "Teufel" eine Art Wüstengeist (Asasel). Bei Hiob z. B. wird Satan sogar zu den Gottessöhnen gerechnet, der Gott über die Menschen Bericht erstattet. Die Stelle sei ausführlich zitiert: "Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan. Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her. Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Hiob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse. Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Hiob Gott fürchtet? Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land. Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom Angesicht des Herrn." (Hiob 1, 6-12)


"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten (wörtlich: des Fleisches)
und das ewige Leben. Amen."

Dies ist, auf wenige Zeilen zusammengefaßt, der Glauben der Christen. Warum die Menschheit gerade dies glauben soll, wird nicht explizit erwähnt. Sicher ist aber, wer zweifelt, hat schlechte Karten: "Der Glaube ist heilsnotwendig. Der Herr selbst sagt: 'Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden' (Markus 16, 16)" (Katechismus Nr. 183)


"Im Getauften verbleiben jedoch gewisse zeitliche Folgen der Sünde: Leiden, Krankheit, Tod, Gebrechen, die mit dem Leben gegeben sind (wie etwa Charakterschwächen)" (Katechismus Nr. 1264)

Die Strafe für den Apfeldiebstahl war der Tod. Das Blut des Erlösers sollte diese Schuld wieder abwaschen. Dies ist durchaus wörtlich zu verstehen: "Fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne dass Blut vergossen wird, gibt es keine Vergebung" (Hebräer 9, 22). Jedenfalls müßten wir seit Jesu Opferung unsterblich sein. Bisher ist aber meines Wissens noch jeder Erdenbürger gestorben. Die Kirche verfiel daher schlauerweise auf die Idee zu verkünden, nicht vor, sondern nach dem Tode lebe man dank der Erlösung ewig. Nun gut, geben wir uns damit einstweilen zufrieden. Jedoch, ist die Menschheit dadurch wirklich besser gestellt? Wir wissen inzwischen, alle Nichtgetauften sind verdammt und landen in der Hölle. Das heißt, der mit Abstand größte Teil der Menschheit hat durch Jesu Großtat statt ewigen friedlichen Schlafes nunmehr ewige höllische Pein zu erwarten. Auch von den Christen werden sich etliche nicht im kuschligen Paradies sondern in der überheizten Unterwelt wiederfinden. Es wäre daher eine wirklich von Nächstenliebe zeugende und vernünftige Tat, wenn der Herr Papst den Herrn Jesus bitten würde, sein Opfer wieder zurückzunehmen. Über eine entsprechende Abfindung könnte man ja verhandeln.


"Amen ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen." (Matthäus 16, 27-28)

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15, 34)

Gottes Reich, von Jesus verkündet, war sehr wohl von dieser Welt, jedenfalls glaubte Jesus dies, wie zahlreiche seiner Aussagen belegen. Groß muß daher seine Enttäuschung gewesen sein, als er so schmählich und in gewisser Weise sang- und klanglos am Kreuz verschied. Vielleicht drückte ihn am Schluß auch etwas das schlechte Gewissen. Zahllose Menschen hatte er wegen Kleinigkeiten in die Hölle geschickt, deren eigentlicher Schöpfer er ist, denn das Alte Testament kannte noch keine terroristische Strafhölle. Der Satz: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", stammt im Original übrigens nicht von Jesus, sondern steht im Alten Testament: Levitikus 19, 18.

Seine Jünger fütterte er mit leeren Versprechungen, siehe Feigenbaum. Er verlangt von den Menschen, einem Bruder 77 mal zu verzeihen, er selbst aber ist unerbittlich: "Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten" (Matthäus 13, 41-42). Wie der Gott des Alten Testaments überantwortet er ganze Städte dem Feuer, wenn sie nicht auf seine Stimme hören: "Dann begann er den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir." (Matthäus 11, 20-24).

Es ist sehr schwierig wenn nicht gar unmöglich, über Jesus überhaupt etwas Positives zu sagen, dem nicht an anderem Ort widersprochen wird. Schön ist es, daß er zur Feindesliebe aufruft (Matthäus 5, 43-48). Aber an anderer Stelle fordert er, sogar die engsten Angehörigen zu hassen: "Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein" (Lukas 14, 25-26, Lutherübersetzung, die aktuelle Einheitsübersetzung übersetzt das lateinische Wort odire (=hassen) verharmlosend mit 'gering achten'). Einerseits erhebt er zum Gebot: "Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin" (Matthäus 5, 39). Andererseits sagt er solche Sachen: "Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter" (Matthäus 10, 34-36).

Und schließlich: Wollte Jesus wirklich die Menschen retten? "Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird." (Markus 4, 10-12)

Es ist eine der größten Leistungen der Kirche, in den Köpfen ihrer Gläubigen Jesus als Friedensbringer, Menschenfreund, als die Wahrheit und die personifizierte Liebe zu verankern. Jesus war keines von alledem.


Literaturhinweise

Mallinkrodt-Neidhardt, Sylvia: "Satanische Spiele" - Die Renaissance von Teufel & Co. - Eine kritische Analyse

Stanford, Peter: "Der Teufel" - Eine Biographie

Di Nola, Alfonso: "Der Teufel" - Wesen, Wirkung, Geschichte

Vorgrimler, Herbert: "Geschichte der Hölle"

Russel, Jeffry Burton: "Biographie des Teufels" - Das radikal Böse und die Macht des Guten in der Welt

Messadié, Gerald: "Teufel, Satan, Luzifer" - Universalgeschichte des Bösen

Feuerbach, Ludwig: "Das Wesen des Christentums"

Deschner, Karlheinz: "Der gefälschte Glaube" - Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe

Bernheim, Pierre-Antoine; Stavrides, Guy: "Das Paradies" - Verheißungen vom glücklichen Jenseits

Onfray, Michel: "Wir brauchen keinen Gott" - Warum man jetzt Atheist sein muß

Riggenmann, Konrad: "Kruzifix und Holocaust" - Über die erfolgreichste Gewaltdarstellung der Weltgeschichte

Buggle, Franz: "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" - Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann

Ranke-Heinemann, Uta: "Eunuchen für das Himmelreich" - Katholische Kirche und Sexualität

Ranke-Heinemann, Uta: "Nein und Amen" - Mein Abschied vom traditionellen Christentum

Darwin, Charles: "Ein Leben" - Autobiographie, Briefe, Dokumente


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Fotos: Herbert Baumgärtner