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  • Sofern nicht anders gezeichnet, stammen alle Beiträge von Kurt Raster



Dienstag, den 20. Dezember 2011 um 15:40 Uhr

Tino Brandt, der Gründer des Thüringer Heimatschutzes, aus dem sich die terroristische Neonazizelle NSU rekrutierte, war auch mal in Regensburg. Aufrechte Antifas outeten den Nazi – und wurden darob von der Justiz abgestraft. Ich habe damals den ersten Prozeßtag, Brandt gegen Antifas, für die legendäre Studizeitung R.A.V. beobachtet. Aus R.A.V. Nr. 8, 1/1994:

Nicht unbedingt

"Nicht unbedingt"

Antwort Tino Brandts auf die Frage des Staatsanwalts, ob er wieder ein Großdeutsches Reich wolle.

Die Vorgeschichte

In einem Regensburger Kaufhaus werden zwischen Waschmittelpaketen Flugblätter gefunden. Inhalt: "Hier bedient Sie Tino Brandt – ein faschistischer Krimineller." Zwei Personen werden festgenommen. Tino Brandt erstattet Anzeige. Die Staatsanwaltschaft übernimmt.

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Sonntag, den 20. November 2011 um 12:57 Uhr

Der widerständige Antisemit Buchberger

Lybiens Human Development Index 20151

Wikipedia ist nicht gerade als ein Ort des Atheismus verschrieen. Man denke an das Ding mit hpd, dem Humanistischen Pressedienst. Obwohl Wikipedia selbst über 213 Erwähnungen desselbigen auf seinen Seiten zählte, wurde ein eigener Eintrag über die atheistische Plattform verhindert. Begründung: hpd sei nicht relevant. Selbstredend werden die Pressedienste der evangelischen und katholischen Weltanschauung geführt.

Aber es geht noch schlimmer: Kathpedia. Auf meiner Recherchereise über den Regensburger Josef Wolfgang Steinbeißer, der 1930 das erste Bühnenwerk über Elly Maldaque schrieb, begegnete ich auch Dr. Michael Buchberger. Er war zur Zeit der Vorgänge um Elly Maldaque Bischof von Regensburg. Steinbeißer benannte eine Täterfigur seines Stücks „von Buchberg“, eine fein durchdachte Namensvermischung des damaligen Regierungspräsidenten „von Rücker“ und dem Bischof Buchberger. Die Botschaft ist klar: Staat und Kirche hatten Elly gemeinschaftlich auf dem Gewissen.

Dieses also schreibt Wikipedia zu dem Herrn vor dem Herrn:

„Im von ihm als Herausgeber verantworteten Kirchlichen Handlexikon und in ähnlicher Weise auch noch in der von ihm herausgegebenen ersten Auflage des Lexikon für Theologie und Kirche finden sich antijudaistische Vorurteile. Auch in seinen eigenen Schriften äußerte er Verständnis für diese Position.“ (1)

Nun, statt „antijudaistische Vorurteile“ hätte man auch das griffigere Wort „Antisemitismus“ verwenden können – in früheren Versionen des Artikels stand es noch –, aber immerhin, für das kirchenaffine Wikipedia wird Bischof Buchberger nicht gerade anbiederisch dargestellt.

Und wie sieht Kathpedia die Sache?

„Buchberger ist stets ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen, doch aus pastoraler Klugheit vermied er die offene Konfrontation, was ihm teilweise als Feigheit ausgelegt wurde.“ (2)

Tja, jetzt stehen wir trotz Lexika dümmer da als vorher. Antisemit oder Widerstandskämpfer? Schauen wir doch mal, was in dem von Buchberger herausgegebenen Lexikon nun eigentlich stand:

„Seit ihrer Emanzipation sind die Juden zu einer politisch-sozialen Macht geworden; sie traten bald an die Spitze des Großkapitals und nützten ihre Vorherrschaft vielfach rücksichtslos aus. Dazu tritt der schlimme Einfluß vieler ihrer Literaten, die auch vor der christlichen Religion nicht halt machen, vor allem aber die beherrschende Stellung der Juden im Handel, in der Presse, vielfach auch in der Politik, und der große Einfluß auf das Theater, wodurch der libertinistische und revolutionäre Teil des Judentums zersetzend auf Religiosität und Volkscharakter einwirkt". (3)

Jetzt ist es eindeutig: Soetwas läßt nur ein Widerstandskämpfer drucken!

 
Donnerstag, den 08. September 2011 um 16:45 Uhr

Lybiens Human Development Index 2015?

Lybiens Human Development Index 20151

„Der Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen ist ein Wohlstandsindikator für Länder“, spricht Wikipedia. Unter anderem wurde er von dem indischen Nobelpreisträger für Ökonomie Amartya Sen entwickelt. Dieser schreibt in seinem Buch „Ökonomie für den Menschen“: „Trotz des sehr niedrigen Einkommensniveaus erfreuen sich die Bewohner Keralas, Chinas oder Sri Lankas einer beträchtlich höheren Lebenserwartung als die sehr viel reichere Bevölkerung Brasiliens, Südafrikas und Namibias.“

Der HDI berücksichtigt folglich neben dem Pro-Kopf-Einkommen auch die Lebenserwartung sowie das Bildungsniveau. Die Lebenserwartung gilt als Indikator für ein funktionierendes und vor allem bezahlbares Gesundheitssystem. Das erreichte Bildungsniveau steht für soziale Mobilität und Teilhabe am öffentlichen Leben.

Die obige Grafik (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Human_Development_Index ) zeigt die weltweiten HDI-Werte von 2010 in knalligen Farben. Wie sehr schön zu erkennen ist, leuchtet Libyen als einziges afrikanisches Land in saftigem, frischem Grün. Grün steht für hohen bis höchsten Entwicklungsstand.

Libyen stand 2010 also nicht nur an der Wohlstandsspitze aller afrikanischen Länder, sondern konnte locker mit westlichen Industrienationen mithalten. Und nun die 1-Million-Dollar-Frage: Welche Farbe wird Libyen im Jahre 2015 tragen? Kleiner Tip: Nach dem Systemwechsel von Gorbatschows „Sowjetunion“ zu Jelzins „Rußland“ sank die Lebenserwartung um ca. 10 Jahre.

Und noch eine Grafik, weil es grad so gut paßt. Das einzige Land der Erde, mit dem höchsten HDI-Wert „sehr hohe menschliche Entwicklung“ und einem ökologischen Fußabdruck, der unserem Planeten das Überleben ermöglicht, ist Kuba.

Lybiens Human Development Index 20152

(Aus: "Glück ist Gleichheit. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind" von Richard Wilkinson und Kate Pickett, Seite 247, Daten UN und WWF)

 
Sonntag, den 04. September 2011 um 15:42 Uhr

Griechenland – Inspektoren reisen verärgert aus Athen ab

Griechenland – Inspektoren reisen verärgert aus Athen ab

Bayern 5, Meldung vom 02.09.2011

„Um Mitternacht sollen die Kontrolleure der sogenannten Troika mit ihrer Verhandlungsgeduld am Ende gewesen sein. Sie reisten Medienberichten zu Folge ab. Hintergrund: Die Kontrolleure der Troika von EU, Internationalem Währungsfond und Zentralbank forderten offenbar weitere Einsparungen von der griechischen Seite. Insbesondere verlangten sie massive Einsparungen im Gesundheitswesen. Bis 2015 soll die Lebenserwartung der Griechen um 10 Jahre sinken und die durchschnittliche Kindersterblichkeit um mindestens 25 Prozent steigen. Im Bildungswesen soll durch gezielte Kürzungen die soziale Selektion deutschen Verhältnissen angepaßt werden. Schließlich sollen durch umfassende Privatisierungsmaßnahmen die Wasser-, Energie- und sonstigen Lebenshaltungskosten um mindestens 250 bis 300 Prozent steigen. Die griechische Regierung lehnte ab. Die Troikavertreter brachen ihre Verhandlungen darauf hin ab. Von Seiten des Finanzministeriums in Athen heißt es, daß die Kontrolleure in etwa 10 Tagen wiederkommen sollen. Bis dahin wird möglicherweise versucht, das Thema auf politischer Seite zu lösen. Eine offizielle Erklärung der Troika gibt es noch nicht. Auch die griechische Regierung hat sich noch nicht offiziell geäußert. Fest steht aber, die Auszahlung der nächsten fälligen Kreditrate für Griechenland von 8 Milliarden Euro ist gefährdet. Damit droht sowohl Griechenland als auch der EU eine Hängepartie wie vor 3 Monaten. Damals stand die Auszahlung der fälligen Kreditrate ebenfalls wochenlang auf der Kippe, was eine politische Krise in Griechenland auslöste. In den vergangenen Tagen haben sich die Hinweise verdichtet, daß Griechenland die vereinbarten Sparziele verfehlen wird. Grund sind die schrumpfende Wirtschaft und die sinkenden Steuereinnahmen im Land. Stefan Wurzel, Athen.“

Oha! Ich sehe gerade, bei der Transkription sind mir ein paar Sätze in die Tastatur geflossen, die sicher nie in einer seriösen deutschen Nachrichtensendung, wie Bayern 5 es ist, zu hören sein werden. Welche?

 
Dienstag, den 23. August 2011 um 10:15 Uhr

Ein Skandal

Ein Skandal

Aus dem bayerischen Verfassungsschutzbericht:

„Die CDU ist die bundesweit größte rechtspopulistisch beeinflußte Organisation des Konservatismus. Auch im Landesverband Bayern, der CSU, ist der Einfluß von Rechtspopulisten, insbesondere aus dem Umfeld rassistischer und revanchistischer Kreise, maßgeblich. Der Ehrenvorsitzende der Partei Edmund Stoiber beispielsweise warnte laut Süddeutscher Zeitung vor einer „multinationalen Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchraßt“. Horst Seehofer, Vorsitzender der CSU, verkündete öffentlich, er werde gegen eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme „bis zur letzten Patrone“ kämpfen. Vom innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag Hans-Peter Uhl (CSU) sind Kontakte zu revanchistischen Burschenschaften sowie zur extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ bekannt.“

Natürlich, ein Scherz. Solch wahre Wahrheiten sucht man in einem bayerischen Verfassungsschutzbericht vergebens. Innenminister Herrmann läßt stattdessen schreiben:

„Die VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, K.R.) ist die bundesweit größte linksextremistisch beeinflußte Organisation des Antifaschismus. Auch im Landesverband Bayern ist der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, maßgeblich. Über den bayerischen Landessprecher der VVN-BdA, Ernst Grube, beispielsweise sind Verbindungen zur DKP und zu autonomen Gruppen bekannt.“ (Verfassungsschutzbericht Bayern 2010)

Ernst Grube ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Naziterrors. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau. Fast täglich besucht er Schulen in ganz Bayern und klärt über die Schrecken der Naziherrschaft auf.

Wenn Grube also ein Verfassungsfeind ist, wo stehen dann die Verfassungsschützer? Siehe oben.

(Weitere Informationen: http://bayern.vvn-bda.de/artikel/2011/20110610.html)

 
Freitag, den 19. August 2011 um 10:32 Uhr

Mißverstandene Ideale

Mißverstandene Ideale

Vor Jahren, als ich an „Die Grantlhubers und der Sinn des Lebens“ schrieb, wälzte ich zwecks Recherche Mundartliteratur. Auch der 1957 erschienene, niederbayerische Bauernroman „Brunnöd“ von Senta Dinglreiter war darunter. Beim Durchstöbern meiner Altbücher kam mir dieser nun wieder in die Finger und da ich buchstäblich nichts erinnerte, nahm ich mir den schmalen Band nochmals vor.

Doch schon beim Vorwort stolperte ich. Ein gewisser Martin Teschdorff schrieb, nachdem er über Dinglreiters Reiseleidenschaft berichtete: „Vielleicht war es auch Dankbarkeit einem Staat gegenüber, der ihr überhaupt Genehmigung für solche Unternehmungen gab, daß sie wie viele andere Deutsche auch den mißverstandenen Idealen der damals alleinherrschenden Partei folgte.“

Welche „mißverstandenen Ideale“ der Faschisten konnten gemeint sein? Ich bemühte das ZVAB und fand folgenden Eintrag: „Senta Dinglreiter: Wann kommen die Deutschen endlich wieder? Eine Reise durch unsere Kolonien in Afrika. (Leipzig, 1935)“

Das Ideal hieß also „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Damals wie heute eine Vorlage, die noch kein Deutscher und keine Deutsche mißverstanden haben.

 
Sonntag, den 20. Februar 2011 um 17:43 Uhr

Schön, hier zu wohnen

Schön, hier zu wohnen

Die „Deutsche Annington“ ist eine Heuschrecke. Sie kauft billigst öffentlich geförderte Wohnungen, spart an Personal, spart an Instandhaltung, spart aber nicht an kräftigen Mietererhöhungen. Am liebsten jedoch verscherbelt sie die Wohnungen gleich wieder, natürlich unter Beachtung maximalen Profits. Was aus dem Mietern wird, scheißegal.

Dieses Gebaren
ist natürlich nicht besonders sozial, genauer gesagt, es ist asozial. Damit das keinem auffalle, betreibt das Unternehmen, wie jedes andere seiner Art auch, „Socialwashing“. Ein besonders perfides Beispiel dafür war im Annington-Magazin „wohnen“, Ausgabe Dezember 2010, zu bestaunen. Staubige Kinder aus Ruanda strahlen glücklich, weil sie Trikots tragen, gespendet von der Deutschen Annington.

Doch sage keiner, die Deutsche Annington verfüge nicht über Humor. Denn was prangt als Werbeslogan auf den Trikots für die Kinder aus Kigali in Ruanda, einem der ärmsten Länder der Welt? Sie lesen richtig: „Schön, hier zu wohnen.“ Der Photograph muß sich kaputt gelacht haben ...

Wikipedia zur Situation der Kinder in Ruanda:

"Besonders die Kinder leiden unter den Nachwirkungen des Völkermordes. Nach Angaben von UNICEF wachsen 600.000 Kinder ohne oder mit nur einem Elternteil und in extremer Armut auf. Nach Schätzungen von UNICEF, gibt es in Ruanda rund 28.000 so genannte Kinderhaushalte. Über 100.000 Jungen und Mädchen in diesen Familien sind ohne Eltern und schlagen sich weitgehend allein durch. In rund 80 Prozent der Kinderhaushalte kümmern sich die ältesten Mädchen um die Versorgung ihrer jüngeren Geschwister. Viele dieser Kinder werden als billige Arbeitskräfte auf Plantagen oder in privaten Haushalten ausgebeutet und sexuell missbraucht. Oft müssen sich die Mädchen prostituieren, um den Lebensunterhalt dieser Familien zu verdienen. Dabei sind sie völlig unaufgeklärt dem hohen HIV-Ansteckungsrisiko des Landes ausgesetzt. Die Chancen der Kinder, sich eine bessere Zukunft zu erarbeiten, sind gering: 90 Prozent der Jungen und Mädchen aus Kinderhaushalten gehen nicht zur Schule. In der Vergangenheit hat der kongolesische Rebell Laurant Nkunda immer wieder Kämpfer, viele von ihnen Kindersoldaten, aus den Flüchtlingslagern in Ruanda rekrutiert. Nach Schätzungen von UNICEF leiden heute in Ruanda rund eine Million Kinder unter besonders schwierigen Lebensbedingungen." (http://de.wikipedia.org/wiki/Ruanda#Menschenrechte)

 
Dienstag, den 08. Februar 2011 um 12:40 Uhr

Umverteilung bei der Arbeit

Umverteilung bei der Arbeit

Papier Liebl. Für gewöhnlich kaufe ich wenige Dinge für wenige Cent, doch diesmal mußte es krachen: 30 Euro für DVD-Hüllen und eine Jahresration Druckerpapier.

Zum ersten Mal war es mir daher beschieden, sogenannte „Energie-Euro“ einzulösen. “Die 100 REWAG-Energie-Euro stehen Ihnen wie zusätzliches Bargeld zur Verfügung“, verspricht das Energieunternehmen im Bonheft. Der Haken: „Energie-Euro“ sprudeln erst ab einem Mindestkauf von 10 Euro bei einem der insgesamt 38 REWAG-Coupon-Partner. Um also die gesamten 100 Euro einzusacken, müßte ich für ganze 1000 Euro shopen gehen. Das mach mal bei ca. 800 Euro monatliches Maximum! Abzüglich Strom und Miete bleibt da… nicht viel. Nur wer Kohle hat, kommt an die versprochene Kohle ran.

Wer hat, dem wird gegeben, sagt die Bibel (Mt 13,12). Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, sagt der Volksmund.

Apropos Strom. Natürlich sind die „Energie-Euro“ kein Geschenk. REWAG und Liebl legen diese selbstverfreilich auf die Preise um. Mit jeder Stromrechnung, mit jedem Minieinkauf bei Liebl zahle ich brav die 100 Euro ab, die der Reiche einheimst.

Ich habe dem Schwachsinn nun eine Ende bereitet und REWAG gebeten, mich fürderhin mit „Energie-Euro“ nicht mehr zu verarschen. Bitte schließen auch Sie sich an! Schreiben Sie eine E-Mail an energieeuroheft@rewag.de. Verbitten Sie sich, zukünftig in die Machenschaften einer klamheimlichen Umverteilung von arm zu reich hineingezogen zu werden. Zeigen Sie Einsicht! Danke!

 
Sonntag, den 19. Dezember 2010 um 16:57 Uhr

Integrationsversprecher

Integrationsversprecher1

Normalerweise ist die Verdi-Mitgliederzeitschrift „Publik“ so dröge, daß ich sie nach kurzem Durchblättern und etwas Ärgern um die vertanen Sekunden postwendend in die Tonne stopfe. Doch bei der allmonatlichen Karikatur von „Nel“ alias Ioan Cozacu blieb ich diesmal hängen. Was soll das? Hat Sarrazin es nun auch in die Gewerkschaftsmedien geschafft? (Unter Gewerkschaftlern selbst ist er bzw. seine Stammtischweisheit schon länger en vogue: Die Ausländerfeindlichkeit von Organisierten ist sogar höher als von Nicht-Organisierten, siehe aktuelle FES-Studie: Die Mitte in der Krise, S. 87)

Ich habe versucht, Nel eine Chance zu geben. Vielleicht handelt es sich um ein muslimisches Pärchen, das ins Heimatland zurückkehrte? Aber gibt das einen Sinn? Werden Menschen in Ländern des Islam wegen ihres zeitweisen Aufenthalts in Deutschland bedroht, sodaß sie sich verräterischer Einflüsse auf dem schnellsten Wege zu entledigen haben? Nö.

Die Szene spielt also in Deutschland, vermutlich ein muslimisches Immigrantenpärchen aus der Türkei, das Bildchen über dem Bett zeigt im Hintergrund die Hagia Spohia. Vorgestellt werden beinharte Integrationsverweigerer, wie sie Sarrazin nicht besser phantasieren könnte. So dürfte die Karikatur keine Schwierigkeiten haben, es in die nächste Auflage von „Deutschland schafft sich ab“ zu bringen.

Integrationsversprecher2

Da ich jedoch glaube, Nel unterlief nur ein Versprecher und hoffe, es war kein freudscher, erlaube ich mir, das Karikatürchen zu berichtigen. Jetzt ist es meines Erachtens sogar ganz ordentlich, vermittelt es doch wenigstens ein Zipfelchen der Angst, die Sarrazinesen verbreiten.

 
Dienstag, den 14. Dezember 2010 um 18:02 Uhr

Carl von Ossietzky und Liu Xiaobo

Carl von Ossietzky und Liu Xiaobo

Petra Gerster von „heute“ kündet mit sorgenverhangener Miene einen Beitrag über die Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo an. Darin heißt es: Es sei das zweitemal, daß der Preis nicht an den Preisträger oder einen seiner Angehörigen übergeben werden könne. Das letztemal wäre das 1936 der Fall gewesen, als Carl von Ossietzky den Preis verliehen bekommen hätte.

Gut, das ist die Meldung. Doch die ganze Geschichte geht so: 1988, genau 50 Jahre nach Ossietzkys Tod durch faschistische Gefangenschaft, wendet sich die Tochter Rosalinda von Ossietzky-Palm an den Rechtsanwalt Heinrich Hannover. Sie wünscht ein Wiederaufnahmeverfahren.

Der Wiederaufnahmeantrag wird 1992 letztinstanzlich vom Bundesgerichtshof abgelehnt. Damals wie heute gilt Ossietzky als Landesverräter.

Mit welchem Recht also zeigt ein deutsches Nachrichten-Magazin auf China?