Freitag, den 19. August 2011 um 10:32 Uhr

Mißverstandene Ideale

Mißverstandene Ideale

Vor Jahren, als ich an „Die Grantlhubers und der Sinn des Lebens“ schrieb, wälzte ich zwecks Recherche Mundartliteratur. Auch der 1957 erschienene, niederbayerische Bauernroman „Brunnöd“ von Senta Dinglreiter war darunter. Beim Durchstöbern meiner Altbücher kam mir dieser nun wieder in die Finger und da ich buchstäblich nichts erinnerte, nahm ich mir den schmalen Band nochmals vor.

Doch schon beim Vorwort stolperte ich. Ein gewisser Martin Teschdorff schrieb, nachdem er über Dinglreiters Reiseleidenschaft berichtete: „Vielleicht war es auch Dankbarkeit einem Staat gegenüber, der ihr überhaupt Genehmigung für solche Unternehmungen gab, daß sie wie viele andere Deutsche auch den mißverstandenen Idealen der damals alleinherrschenden Partei folgte.“

Welche „mißverstandenen Ideale“ der Faschisten konnten gemeint sein? Ich bemühte das ZVAB und fand folgenden Eintrag: „Senta Dinglreiter: Wann kommen die Deutschen endlich wieder? Eine Reise durch unsere Kolonien in Afrika. (Leipzig, 1935)“

Das Ideal hieß also „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Damals wie heute eine Vorlage, die noch kein Deutscher und keine Deutsche mißverstanden haben.

 

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