| Sonntag, den 20. November 2011 um 12:57 Uhr |
Der widerständige Antisemit Buchberger
Wikipedia ist nicht gerade als ein Ort des Atheismus verschrieen. Man denke an das Ding mit hpd, dem Humanistischen Pressedienst. Obwohl Wikipedia selbst über 213 Erwähnungen desselbigen auf seinen Seiten zählte, wurde ein eigener Eintrag über die atheistische Plattform verhindert. Begründung: hpd sei nicht relevant. Selbstredend werden die Pressedienste der evangelischen und katholischen Weltanschauung geführt. Aber es geht noch schlimmer: Kathpedia. Auf meiner Recherchereise über den Regensburger Josef Wolfgang Steinbeißer, der 1930 das erste Bühnenwerk über Elly Maldaque schrieb, begegnete ich auch Dr. Michael Buchberger. Er war zur Zeit der Vorgänge um Elly Maldaque Bischof von Regensburg. Steinbeißer benannte eine Täterfigur seines Stücks „von Buchberg“, eine fein durchdachte Namensvermischung des damaligen Regierungspräsidenten „von Rücker“ und dem Bischof Buchberger. Die Botschaft ist klar: Staat und Kirche hatten Elly gemeinschaftlich auf dem Gewissen. Dieses also schreibt Wikipedia zu dem Herrn vor dem Herrn: „Im von ihm als Herausgeber verantworteten Kirchlichen Handlexikon und in ähnlicher Weise auch noch in der von ihm herausgegebenen ersten Auflage des Lexikon für Theologie und Kirche finden sich antijudaistische Vorurteile. Auch in seinen eigenen Schriften äußerte er Verständnis für diese Position.“ (1) Nun, statt „antijudaistische Vorurteile“ hätte man auch das griffigere Wort „Antisemitismus“ verwenden können – in früheren Versionen des Artikels stand es noch –, aber immerhin, für das kirchenaffine Wikipedia wird Bischof Buchberger nicht gerade anbiederisch dargestellt. Und wie sieht Kathpedia die Sache? „Buchberger ist stets ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen, doch aus pastoraler Klugheit vermied er die offene Konfrontation, was ihm teilweise als Feigheit ausgelegt wurde.“ (2) Tja, jetzt stehen wir trotz Lexika dümmer da als vorher. Antisemit oder Widerstandskämpfer? Schauen wir doch mal, was in dem von Buchberger herausgegebenen Lexikon nun eigentlich stand: „Seit ihrer Emanzipation sind die Juden zu einer politisch-sozialen Macht geworden; sie traten bald an die Spitze des Großkapitals und nützten ihre Vorherrschaft vielfach rücksichtslos aus. Dazu tritt der schlimme Einfluß vieler ihrer Literaten, die auch vor der christlichen Religion nicht halt machen, vor allem aber die beherrschende Stellung der Juden im Handel, in der Presse, vielfach auch in der Politik, und der große Einfluß auf das Theater, wodurch der libertinistische und revolutionäre Teil des Judentums zersetzend auf Religiosität und Volkscharakter einwirkt". (3) Jetzt ist es eindeutig: Soetwas läßt nur ein Widerstandskämpfer drucken! |