Aktuell


Elly und Ingo

Mobiles Theaterstück für Schulen gegen Rechtsextremismus

Elly und Ingo





Inhalt

Das Stück erzählt parallel die Lebensgeschichte der Regensburger Lehrerin Elly Maldaque und des gewalttätigen Neonazis Ingo. In regelmäßigen Abständen treten die Darsteller aus ihren Rollen heraus und stellen aktuelle Bezüge her.

Elly Maldaque

Elly Maldaque war während der Weimarer Zeit eine Lehrerin an der Von-der-Tann-Volksschule in Regensburg. Sie ging in die Armenviertel, half den Menschen im Haushalt, gab von ihrem geringen Gehalt ab, was ihr möglich war und kümmerte sich auch in ihrer Freizeit liebevoll um ihre Schülerinnen und Schüler.

Sie tendierte politisch nach links, ohne sich aber parteipolitisch zu betätigen, wenn man von gelegentlichem Klavierspiel bei linken Singkreisen absieht. Trotzdem geriet sie bald ins Visier der Politischen Polizei, die "Hakenkreuzler" beauftragte, sie zu beobachten. Schließlich sprach die Regierung der Oberpfalz die fristlose Kündigung aus. Sie erlitt einen Nervenzusammenbruch. Der Verwaltungs- und Polizeisenat der Stadt Regensburg wies sie in die Nervenheilanstalt Karthaus-Prüll ein, wo sie nach elf Tagen unter ungeklärten Umständen am 20. Juli 1930 verstarb.

Der Fall erregte deutschlandweit Aufsehen. Über 90 Zeitungsartikel erschienen. Künstler wie Ödön von Horváth und Walter Mehring verfaßten Werke über sie. Nach dem Krieg war Elly Maldaque lange Zeit vergessen, bis die Arbeit des Tübinger Professors Jürgen Schröder über Ödon von Horváths Stück "Die Lehrerin von Regensburg" sie Anfang der achtziger Jahre wieder in Erinnerung rief.

Ingo

Auch die Figur des gewalttätigen Neonazis Ingo ist authentisch. Sie wurde aus verschiedenen Aussteigerberichten und Interviews mit Skinheads geformt. Ingo erlebt als Kind und Jugendlicher nur Ausgrenzung und Gewalt, bis er die Welt als Dschungel begreift, in dem allein der Stärkere ein Recht hat zu überleben. Das Prinzip der Gewalt steht über allem anderen.

Schon sehr früh fühlt er sich zu extremen Ideen hingezogen, weil er instinktiv spürt, was von dieser Gesellschaft, die er aufgrund seiner Erfahrungen haßt, abgelehnt wird, kann nur richtig sein. In der Schule erlebt er zum erstenmal Überlegenheitsgefühle und gewinnt Selbstbewußtsein, als er den aufgestauten Druck an Schwächeren ausläßt.

Ingo ist nicht dumm, trotzdem erreicht er in Folge seiner Trotzhaltung und auch, weil ihm häusliche Förderung fehlt, nur den Hauptschulabschluß.

Schließlich findet er Zugang zu einer neonazistischen Skinheadgruppe. Er fühlt sich zum ersten Mal akzeptiert. Dort gerät er immer weiter in den Gewaltstrudel und begeht schwerste Straftaten, bis hin zu Mord.

Gegenüberstellung

Elly und Ingo haben ähnliche Startbedingungen. Elly litt sehr unter ihrem gewalttätigen, fanatisch-autoritären Vater. Über der Kindheit beider steht in großen Lettern "Gewalt". Sie revoltieren gegen die Zustände. Während aber Elly Maldaque den Weg des Menschenrechts geht und begreift, daß Schläge nur immer mehr Schläge erzeugen, kann sich Ingo nicht aus den Gewaltzusammenhängen lösen. Das Tragische dabei ist: Ingo reproduziert genau die Unterdrückung und Ausgrenzung, unter der er selbst am meisten leidet.




Theaterpädagogisches Konzept

Das Stück arbeitet auf einer psychologischen, sozialkritischen und einer zeitgeschichtlichen Ebene. Psychologischer Ansatz Die Schülerinnen und Schüler sollen Verständnis für die Figuren entwickeln, durchaus auch Mitleid und Identifikation erfahren. Jeder Lebensweg ist für sich logisch, nur steht am Ende von Ingo Haß, Mord und Verzweiflung, während Elly sich von den Schatten ihrer Vergangenheit befreien kann und zu einem offenen, glücklichen und engagierten Leben findet.

Sozialkritischer Ansatz

Elly Maldaque war ein Mensch, der einfach nur gut sein wollte. Trotzdem wurde sie Opfer ihrer Gesellschaft, denn es herrscht ein Widerspruch zwischen den regelmäßigen Aufforderungen zum sozialen Miteinander und der gesellschaftlichen Realität, die von Konkurrenz und Auslese gekennzeichnet ist. Dieser Widerspruch ist Wasser auf den Mühlen rechtsextremer Organisationen.

Zeitgeschichtlicher Ansatz

Es wurde mit Elly Maldaque bewußt eine Person aus der Weimarer Zeit gewählt und einem "modernen" Neonazi gegenübergestellt, um die Frage aufzuwerfen: Wo stehen wir heute? Könnte es möglich sein, daß das Schicksal der Weimarer Zeit irgendwann auch unserer Demokratie bevorsteht? Wehret den Anfängen muß daher heute Aufgabe aller demokratischen Kräfte sein. Personen wie Elly Maldaque nicht zu vergessen, ist ein Schritt in diese Richtung.




Presse

"Elly Maldaque, eine junge Regensburgerin, die in den Anfängen der Nazizeit als unbequeme Rebellin von der Gesellschaft ausgegrenzt, verfolgt und schließlich in eine "Irrenanstalt" abgeschoben wurde, steht einem jungen Rechten gegenüber, zwei Gegensätze, wie sie nicht besser beschrieben werden könnten." (Straubinger Tagblatt)

"Erhalten zwei Schauspieler eine dreiviertel Stunde lang die ungeteilte Aufmerksamkeit von 100 Schülern, dann ist das wohl das größte Kompliment." (Kötztinger Zeitung)

„Den Schauspielern gelang es exzellent die beiden Figuren authentisch darzustellen, die lauten und aggressiven Wutausbrüche von Ingo ließen die Schüler immer wieder aufschrecken und machten sehr betroffen.“ (Realschule Regen)

„Besonders gut gelungen war nach Ansicht der Schüler den beiden Schauspielern Stefanie Boettger und Daniel Zimpel die bravouröse Darstellung und Verwandlung einer Figur durch eine unterschiedliche Stimme, Körpersprache und Kleidung.“ (Staatliche Berufschule Fürstenfeldbruck)

„Die 33-Jährige Stefanie Boettger und der 24-Jährige Daniel Zimpel geben sich den verbalen Schlagabtausch. Und bewegen das Publikum. Bei einigen Szenen stellen sich bei den jungen Zuschauern die Nackenhaare auf, wie sie nach der Vorstellung berichten. Sechs Monate hat Autor Kurt Raster an dem Stück geschrieben. Hat Literatur gewälzt und seine Figuren konzipiert. Drei Monate lang, mehrere Stunden pro Woche hat er dann mit seinen Schauspielern das Stück eingeübt. Und es hat sich gelohnt. Die Jugendlichen sind nach dem Stück beeindruckt. „Ich fand es fantastisch. Weil man gelernt hat, wie Nazis sind“, sagt Theresa Lowack (15).“ (Mittelbayerischen Zeitung, Ausgabe Schwandorf)




Szenenbilder

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Videobericht Chamer Zeitung, 25.03.2009






Bisherige Auführungsorte

2008

5./6.07. Evangelisches Bildungswerk Regensburg • 16.07. BOS Regensburg • 21.07. FOS Regensburg • 17.11. Gymnasium Neutraubling • 18.11. Berufsfachschule Mitterfels • 20.11. Berufsschule III Straubing • 25./27.11. Berufsbildungszentrum Regensburg • 16.12. Berufliches Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf

2009

18.02. Hauptschule Mitterfels • 20.02. Staatliche Berufsschule I Passau • 13.03. Hauptschule Regen • 13.03. Realschule Regen • 18.03. Realschule Pfarrkirchen • 25.03. Maristen-Realschule Cham • 01.04. Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium München • 20.04. Karl-Amberg-Hauptschule Alzenau • 04.05. Staatliche Wirtschaftsschule Waldmünchen • 06.05. Städtische Berufsschule für Großhandels- und Automobilkaufleute München • 07.05. Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Passau • 13.05. Staatliche Realschule Freilassing • 14.05. Hauptschule Bad Kötzting • 21./22.05. Universität Regensburg • 26.05. Bürgersaal Fürstenried München • 19.06. Anne-Frank-Gymnasium Erding • 24.06. Staatliche Berufsschule II Passau • 25.06. Berufsschule Fürstenfeldbruck • 08.07. Hauptschule Waldmünchen • 20.07. Berufliche Schule Nürnberg • 22.07. Staatliches Berufliches Schulzentrum Sulzbach-Rosenberg • 27.07. Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen • 28.07. Albrecht Altdorfer Gymnasium Regensburg • 27.10. Hauptschule St. Wolfgang Regensburg • 28.10. Pestalozzi Hauptschule Regensburg • 16.11. Konradschule Regensburg • 17.11. Spitalkirche Schwandorf • 20.11. Stadtteilzentrum Neue Mitte Weiden • 23.11. Haus des guten Hirten Berufsschule Schwandorf • 24.11. Volksschule Kirchehrenbach • 25.11. Volksschule Neukirchen beim Heiligen Blut • 26.11. Volksschule Velburg • 30.11. Private Wirtschaftsschulen Dr. Kalscheuer • 9.12. Volksschule Lichtenau • 9.12. Volksschule Neuendettelsau • 11.12. Realschule Niedermünster • 17.12. Otto-Schwerdt-Schule Burgweinting • 18.12. Montessori-Schule Dachau • 22.12. Carl-Orff-Gymnasium Unterschleißheim

2010

18.01. Berufsoberschule Landshut • 20.01. Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege am Klinikum Landsberg am Lech • 21.01. Staatliche Berufsschule I Straubing • 22.01. Private Montessorischule Unterneukirchen • 28.01. Staatliche Realschule Nabburg • 02.02. Staatliche Realschule Abensberg • 04.02. Realschule Helmbrechts • 05.02. Hauptschule Markt Schwaben • 08.02. Theresien-Gymnasium Ansbach • 09.02. Private Oberlandschulen Weilheim e. V. • 10.02. Ludwig-Derleth-Realschule Gerolzhofen • 11.02. Dorothea-von-Haldenberg-Volksschule Mammendorf • 24.02. Mathias-von-Flurl-Schule Staatliche Berufsschule II Straubing-Bogen • 08.03. Städtische Artur-Kutscher-Realschule München • 09.03. Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Oberasbach • 11.03. Stadtteilzentrum "Neue Mitte" Weiden • 16.03. Hauptschule Burgau • 18.03. Hans-Carossa-Gymnasium Landshut • 23.03. Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium München • 25.03. Dr.-Herbert-Weinberger-Schule Staatliche Berufsschule Erding • 13.04. Benedikt-Stattler-Gymnasium Bad Kötzting • 19.04. Hauptschule Riedlhütte



Kurzinfo

  • Mobiles Jugendtheaterstück gegen Rechtsextremismus
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 55 Minuten, mit anschließender Nachbesprechung insgesamt zwei Schulstunden; bis zu drei Vorstellungen an einem Tag sind möglich
  • Besetzung: Stefanie Boettger (Elly Maldaque), Daniel Zimpel (Ingo), Kurt Raster (Autor und Regisseur)
  • Zuschauerzahl: maximal 100 Schüler/innen
  • Mindestmaße für Bühne: 3 m Breite x 2 m Tiefe, 30 cm Höhe
  • Preis: 300 Euro zzgl. Fahrtkosten (30 Cent/km ab Regensburg), bei mehreren Vorstellungen an einem Tag ist eine Ermäßigung möglich



Buchung

Sie können per E-Mail:
uetheater@gmx.de

oder telefonisch buchen:
0941 - 700 299

Eine telefonische Buchung ist aufgrund der leichteren Terminabsprache zu empfehlen.




Ausführliches Info zum Download

Elly und Ingo.pdf




Das Stück „Elly und Ingo“ wird im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ gefördert.


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