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Unterstützer*innenschreiben 25.10.2018

Das ueTheater ist in Gefahr!

In der Uni Regensburg gibt es ein professionell ausgestattetes Theater, in dem das Studierenden-Esemble des ueTheaters seit über 15 Jahren bewegende politische Theaterkunst bietet. Über dem Eingang des Theaters steht „Studententheater“, Pächter ist das Studentenwerk Ndb/Opf, das dem Theater den nichtssagenden Namen „Theater an der Uni“ verpasst hat. Bis heute hat dieses in deutschen Universitäten einzigartige Theater keinen richtigen Namen.

2007 schlug das Ensemble des ueTheaters dem Studentenwerk vor, das Theater nach Elly Maldaque zu benennen, einer Regensburger Lehrerin, die 1930 vom damaligen Establishment in den Tod getrieben wurde und inzwischen als erstes Naziopfer in Regensburg gilt. Ihr Schicksal war Menetekel.

Die Umbenennung in „Elly Maldaque Theater“ unterstützten damals einhellig alle antifaschistischen Bürger der Regensburger Stadtgesellschaft, darunter die ehemalige Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD), die Landtagsabgeordnete Elke Wollenschläger (FDP), Margit Kunc (Grüne), Günther Riepl (FW), Dr. Eberhard Dünninger (ÖDP), Regisseur Joseph Berlinger, Kinomacher Dr. Medard Kammermeier, Dieter Weber (Evangelisches Bildungswerk), Max Hutzler (pax christi), Harald Zintl (Friedrich Ebert Stiftung), die Jüdische Gemeinde Regensburg, der DGB-Vorsitzende Willi Dürr, die Sozialen Initiativen und selbstverständlich auch der Sprecher*innenrat der Universität Regensburg.

Nachdem erst das Studentenwerk, dann die Universität sich als nicht verantwortlich für die Umbenennung erklärt hatten, nahm sich das studentische Ensemble des ueTheaters die künstlerische Freiheit und deklarierte bei allen eigenen Vorstellungen die Uni-Spielstätte als "Elly Maldaque Theater an der Uni".

Diese eigenmächtige Benamung eines Theaters zu Ehren einer Lehrerin, die von der BVP, der Vorgängerpartei der CSU, wegen Nähe zum Kommunismus aus dem Staatsdienst entlassen und in die Psychiatrie eingewiesen worden war, störte das Studentenwerk und die Universität im Kampf gegen das politische ueTheater enorm: Man generierte eine Richtlinie folgenden Inhalts:

"4.3.2 Pflicht zur Verwendung der Logos und des Namens des Theaters
In allen Veranstaltungsankündigungen muss die Bezeichnung „Theater an der Uni“ benutzt werden.
Auf allen Werbemitteln und dem Programmheft muss das Logo des Studentenwerks sowie das Logo „Theater an der Uni“ aufgenommen werden."

und verklagte 2018 das ueTheater auf Zahlung von über 17.000 Euro für die Nutzung der Spielstätte - mehr als das 50igfache der üblichen Gebühren. Begründung: Das ueTheater habe gegen die Richtlinie verstoßen, weil es nicht den vom Studentenwerk vorgegebenen Namen „Theater an der Uni“ auf seinen Werbemitteln benutzte, sondern „Elly Maldaque Theater an der Uni“! Daher sei das studentische Ensemble nicht mehr förderungswürdig und müsse kommerzielle Preise zahlen!

Angesichts der ruinösen Klagesumme sah sich das ueTheater gezwungen, einem Vergleich zuzustimmen, der die Verwendung des Namens "Elly Maldaque Theater an der Uni" in Werbemittel und Ankündigungen verbietet. Bei Zuwiderhandlung droht dem ueTheater ein faktisches Auftrittsverbot durch einen für eine studentische Laiengruppe unbezahlbaren Gebührenaufschlag von mehreren tausend Euro.

Wir, die Unterstützer des ueTheaters, empfinden das planmäßige, auf finanziellen Ruin des ueTheaters gerichtete Vorgehen des Studentenwerks als niederträchtig und als rechtspopulistischen Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit.

Wir sind entsetzt darüber, dass sich die Universitätsleitung und das Studentenwerk auf die Seite der Rechtspopulisten schlagen und es für wichtiger halten, die Opfer des Faschismus vergessen zu machen, als die Vorläufer des Faschismus anzuprangern.

Wir haben uns deshalb entschlossen, anstelle des ueTheaters selbst die Aufführungen zu bewerben, damit das ueTheater an der Universität überleben kann, ohne auf seine antifaschistischen Standpunkte verzichten zu müssen.

Bitte helfen Sie mit, die bürokratische und finanzielle Bedrohung des ueTheaters durch das Studentenwerk zu beenden!

Walter Hoffmann, Bund für Geistesfreiheit Regensburg, KdÖR